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Radweg endet plötzlich, Folge 20261

Einige Beispiele aus BS, einfach nur für den kleinen Realitäts-Check.

Ein geschlossenes Radwege-Netz ist immer das schönste. Manchmal lässt es sich aber nicht vermeiden, dass ein Radweg enden muss. Dies sind im Alltag oft die Stellen, in denen Radfahrer die stärksten Aggressionen und Gefährdungen erleiden müssen, und an denen es auf gute Detail-Gestaltung ankommt. Leider stellt sich Braunschweig insbesondere bei diesem Thema ganz besonders „dumm an“. Dass sogar Autofahrer in BS in großer Zahl davon überzeugt sind, dass die Verwaltung sinnvolle Radverkehrs-Fahrbahnmarkierungen „einfach nicht kann“, dürfte wesentlich an diesem Thema liegen.

Ein Gestaltungsbeispiel, wie es funktionieren könnte (nur ein Beispiel, nicht die einzig mögliche Wahrheit). („Musterlösungen Radnetz“, Verkehrsministerium BaWü 2017)

Wichtig und richtig hier: Radspur verläuft geradeaus, KFZ bekommt den Eindruck, in den Fahrweg des Radweges hineinlenken zu müssen und wird dadurch auf notwendige Rücksichtnahme hingewiesen. Wichtig ist genügend Abstand (30m) in Längsrichtung zwischen Radweg-Ableitung und Engstelle/Verkehrsinsel.

Uns ist in BS keine eizige Stelle bekannt, an der es so aussieht. In BS wird meistens der Radfahrer gezwungen, plötzlich nach links in den KFZ-Verkehr hinein zu schwenken.

Kreuzung Kastanienallee / Herzogin-Elisabeth-Str. – hier muss man sich den Platz erkämpfen.

Rad- und KFZ-Verkehr in die Kastanienallee hinein haben gleichzeitig grün. Weist die Furtmarkierung wirklich den KFZ-Fahrer deutlich genug darauf hin, dass der Radfahrer gleich vor ihm sein wird?Sinnvoll wäre zudem eine für den Radverkehr nutzbare Einmündung aus dem Bereich Löwengarten auf die Herzogin-Elisabeth-Str. bereits nördlich der Kreuzung. Der Radweg aus Ridaggshausen kommend ist zwar durchgängig, entspricht aber nicht den Mindestanforderungen. Die Anordnung “Radweg” steht noch in Ridaggshausen und wird im Verlauf der Ebertallee -hinter der Kamera- nicht wiederholt.

Kreuzung Messeweg / Berliner Str.-

Warum zielt die Furt auf die Bordstein-Ecke und in die Gosse und nicht dorthin, wo einRadfahrer im weiteren Verlauf des Messeweges fährt (das wäre da, wo nach neuer Verordnung Piktogramme platziert werden)? Das provoziert gefährliche Konflikte an genau dieser Stelle. Der Endpunkt der Furt gehört deutlich weiter nach links. Wer hier der Markierung folgt, wird es erleben, dass ein überholender Autofahrer denkt: Ach, passt schon noch. Zu dichtes Überholen ist die Folge. Bei einem Vor-Ort Test wurde dann einfach die Gegenspur (durchgezogene Linie) genutzt.

Kreuzung Messeweg / Berliner Str.-

Solche „Nasen“ wie im 2. Bild können bei sinnvoller Gestaltung gute Lösungen sein. So wie hierist es aber einfach Unsinn und bringt keinerlei Sicherheitsgewinn. Wirkung hier: Alle LKW- undBusfahrer werden zu Gegnern von Maßnahmen für den Radverkehr.

Fazit: War vielleicht gut gemeint, im Ergebnis aber misslungen.

Querumer Kreisel

Grundsätzlich gilt im Straßenverkehr immer die Regel, dass Überholen nur erlaubt ist, wenn niemand behindert oder gefährdet wird. Manche KFZ-Fahrer sind aber an solchen Stellen überzeugt, dass die linke Spur hier Vorfahrt habe.

Dies ist eine der aggressivsten Stellen in ganz Braunschweig. Und das nur, weil diese 2 Stück Strichellinie so nach rechts weisen und damit manche zu dieser Interpretation einladen. Fährt man als Radfahrer hier ganz weit rechts, gibt’s den Konflikt vorne an der Insel (das ist die gefährlichste Variante). Fährt man etwas weiter links, empfinden das einige KFZ-Fahrer als Einladung zu geradezu unbeschränkter Aggression. Soll man da mittendrin anhalten? Das bringt das Gesamtgeschehen komplett durcheinander, da die Mehrheit der KFZ-Fahrer sich darauf einstellt, sich einfach hinter dem Radfahrer einzuordnen. Hier besteht dringender Detail-Änderungsbedarf.

Bevenroder Str. / Peterskamp

Mal angenommen, echte Baumaßnahmen oder das Abschaffen des hinter uns liegenden Radweges sind hier nicht möglich.. dann ist das hier vielleicht tatsächlich noch das beste, was man mit reiner Markierung erreichen kann. Immerhin: Es ist für den KFZ-Fahrer deutlich erkennbar, dass der Radfahrer gleich vor ihm sein wird, und dass man hier in dem Moment nicht bei Gegenverkehr einfach ungebremst durchfahren kann. Trotzdem wird klar, dass ausgerechnet ein Kreuzungsbereich keine gute Stelle ist, um einen Radweg enden zu lassen. Ein vernünftig gestaltetes Radwege-Ende mit reichlich Abstand von Kreuzungen wäre besser.

Humboldtstr. / Kasernenstr.

Hinter uns ein benutzungspflichtiger Radweg, vor uns ein ehemaliger Radweg. Der wird nicht mehr instandgehalten, Falschparker werden toleriert. Er ist dem Gesetz und jedem Verstand nach viel zu schmal. Ja, das Aufheben der Benutzungspflicht kann eine sinnvolle Maßnahme sein. Aber unsere Stadt zieht sich zu oft bei Qualitätsmängeln einfach aus der Verantwortung, indem Radwege einfach so durch Schilderabbau im Nichts enden. Man darf dann hier erstmal warten, bis die Autoschlange mal eine Lücke hat. Dabei ist auf der Straße eigentlich genug Platz für einen Radweg, sogar rechts der Bäume.

Radweg wird Fußweg: Gliesmaroder Straße, innerhalb vom Ring, mit Blick nach Osten zum Ring

In der Gliesmaroder Straße ist östlich des Hagenrings kein Radweg mehr angeordnet. Der Radweg nach Osten endet völlig unvermittelt an einer Straßenbahnhaltestelle noch westlich innerhalb des Rings. Man kann darüber hinweg gehen und einfach weiter fahren. Doch im Fall eine Kollision mit jemandem, der zu Fuß unterwegs ist, hat man juristisch allerdings schlechte Karten und wird oberhalb der Schrittgeschwindigkeit im Sinne von “Radfahrer frei” voll zur Verantwortung gezogen. Wer also hier aufs Geradeausfahren prinzipiell verzichtet, muss hier plötzlich anhalten und die Vorfahrt von links beachten.

Mitgaustr. / Mittelweg

Neu gebaut, breiter Radweg, sieht erstmal top aus. Aber stellen wir uns einen Strom von KFZ und gleichzeitig Radfahrer vor, von denen jeweils die Hälfte links und rechts abbiegen möchten.. Deutlich mehr Abstand zwischen Radweg-Ende und Kreuzung würde hier ein entspannteres Sortieren der Verkehrsteilnehmer ermöglichen, was bei echtem Stau wiederum nachteiliger wäre. Hier haben wir also wieder ein Radweg-Ende direkt in eine Kreuzungssituation hinein, aber eine Stelle, an der es wegen fehlendem Radweg im Mittelweg nicht ganz eindeutig zu benennen ist, ob und wie man es besser machen könnte. Nebenpunkt: In welchem Zustand ist in 15 Jahren diese doppelte Kante Teer-Regengosse-Teer quer durch den Fahrweg zwischen Radweg und Piktogramm? Eine Holperkante und Löcher sind zu erwarten. Warum asphaltiert man das nicht in einem glatt durch? Das geht, wie wir am Radeklint sehen. Es gibt sicher auch wieder KFZFahrer, die das als abgesenkte Bordsteinkante mit Vorfahrts-Bedeutung interpretieren und deswegen ihre eigene Vorfahrt dort durchsetzen, wie z.B. als Rechtsabbieger.

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