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Radschnellweg Wolfenbüttel–Braunschweig: Planungen, Hürden und drei mögliche Routen

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Die Planer des neuen Radschnellwegs zwischen Wolfenbüttel und Braunschweig stehen vor keiner leichten Aufgabe. Auf einer Informationsveranstaltung wurden nun drei mögliche Routen vorgestellt. Doch die Planung gleicht einem Hürdenlauf durch bürokratische Vorgaben, Naturschutzrichtlinien und lokale Gegebenheiten.

Ein Bau bis 2030 erscheint weiterhin möglich. Herr Böttcher vom Regionalverband legte die umfangreichen Herausforderungen am Donnerstagabend detailliert dar. Das Hauptproblem: Die Planer sind an tausende Vorschriften gebunden und haben für den Radschnellweg lediglich das Planungsrecht auf dem Niveau einer normalen Landesstraße. Für den Radverkehr hat diese Strecke jedoch de facto die Bedeutung und das Verkehrsaufkommen einer Bundesstraße oder gar einer Autobahn. Das Planungsrecht für Letztere würde deutlich freiere und weitreichendere Entscheidungen ermöglichen, wenngleich hier in einem längeren Zeitraum. Nach heutigem Stand ist es möglich, dass ein landeseigener Betrieb die größte Hürde selbst produziert. Das Resultat dieser rechtlichen Fesseln: Alle vorgestellten Strecken weisen Ecken, Kanten und Hindernisse auf, die für Außenstehende teils schwer nachvollziehbar sind. Es wurde ein konstruktiver Dialog mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Steckbrief eines weggefallenen Streckenteils
Steckbrief eines Streckenteils, hier der weggefallene Passage nördlich des Alten Wegs

Das Dilemma am Waldrand: Warum ein Teil der naheliegendsten Route fehlt

Schon in Wolfenbüttel zeigt sich die Problematik: Eine der naheliegendsten Streckenführungen musste aus der Planung gestrichen werden. In einem Steckbrief ist dieser Teil rot markiert, aus der Verwendung herausgefallen. Konkret geht es um den Weg, der leicht ansteigend zwischen Waldrand und Siedlung in Richtung Norden (Braunschweig) führt. Dieser Weg ist bereits befestigt und etwa drei Meter breit. Doch hier wollen die Landesforsten keinen Meter Boden abtreten. Das Thema Grunderwerb kann ein schwerwiegender Hinderungsgrund sein. Anwesende bezweifelten allerdings, dass der landeseigene Betrieb eine sinnvolle Lösung komplett verhindern würde.

Alter Weg Wolfenbüttel: Hier enden aktuell die Vorstellungen für einen Radschnellweg
Alter Weg Wolfenbüttel Blick nach Norden: Hier enden aktuell die Vorstellungen für einen Radschnellweg

Der weiteren Verlauf der Strecke am Waldrand ist Teil der Variante 2. Der asphaltierte und etwa drei Meter breite Weg würde den meisten Radfahrern genügen. Doch die Norm für einen Radschnellweg schreibt vier Meter Breite vor und nur an wenigen Engstellen kann davon abgewichen werden. Im Dialog an einer von vier Stationen betonte Herr Gries vom NABU Wolfenbüttel, dass ein Ausbau in diesem schützenswerten Raum naturschutzrechtlich kaum genehmigungsfähig sei. Er weist auf die Stellungnahme des NABU hin. Der Waldrand sei ein besonders schützenswerter Raum. Ein Ausbau erscheint hier aufgrund der Gesetzeslage kaum möglich. Aus dem Dialog der Bürger kommt daraufhin ein drastischer, aber logischer Vorschlag: Man solle eine Trasse in der erforderlichen Breite direkt durch den Forst legen – selbstverständlich unter Einhaltung der naturschutzrechtlichen Belange und mit entsprechenden Ausgleichsflächen. Es kommt es hier auf Verhandlungsgeschick an.

Bürgerdialog: Bürger besprechen Vor- und Nachteile einer Strecke
Bürgerdialog: Bürger besprechen Vor- und Nachteile einer Strecke

Letztlich zeigt sich das Kernproblem, welches Herr Böttcher auf den Punkt brachte: Man plant für eine formell untergeordnete Verkehrsklasse im Bestand. Und man muss aber drei verschiedene Projektträger unter einen Hut bringen. Das war bereits bei der Beauftragung des Planungsbüros ein Hindernis. Ursprünglich war für Sommer 2025 bereits die Vorstellung der drei Varianten geplant, ein Jahr früher.

Die drei Trassen-Varianten im Detail

Trotz der Hürden wurden an diesem Abend drei mögliche Routen vorgestellt, die nun in drei Veranstaltungen in den drei Kommunen zur Diskussion stehen. Wir veröffentlichen die Routen an dieser Stelle nicht in Gänze. Die beiden Veranstaltungen in Salzgitter und Braunschweig am 09.06.26 und am 23.06.26 stehen noch aus.

Variante 1: Die westliche Route über Leiferde und Rüningen

Diese Route (in den Plänen blau markiert) führt entlang der Landesstraße von Groß Stöckheim über Leiferde bis durch Rüningen. Aus dem Publikum kam der Vorschlag, die Landesstraße gleich umzuwidmen, um Geld zu sparen, da hier ohnehin wenig Autoverkehr herrsche. Das ist oben bei Punkt 10 zu sehen. Den Geh- und Radweg im Seitenraum stattdessen aufwendig in zwei separate Wege mit vier Meter und zwei Meter Breite aufzutrennen, erschien vielen Anwesenden absurd. Zudem wurden die Ortsdurchfahrten in Leiferde und Rüningen als Herausforderung eingestuft. Andererseits ist ein eigener Radweg auf der hochbelasteten Straße durch Rüningen selbst mehr als wünschenswert. Anwesende kritisieren die Streckenführung nördlich von Leiferde: Kaum ein Radfahrer würde in Leiferde links über die Brücke zur Bahn fahren wo ein Brückenneubau unwahrscheinlich ist, wenn sich der Weg geradeaus durch die Okeraue als Alternative anbietet. Hier kommt jedoch das Thema der ganzjährigen Befahrbarkeit ins Spiel. Schon bei Groß Stöckheim muss jährlich mit einigen Tagen Hochwasser gerechnet werden. Ein weiteres Manko der Variante 1: Für die Ortsteile Braunschweig Stöckheim und Melverode mit vielen tausend Einwohnern bietet diese westlichste Route kaum ersichtlichen Nutzen.

Variante 2: Über den “Alten Weg” und die A36

Route 2 verläuft vom “Alten Weg” in Wolfenbüttel und führt westlich an der beschriebenen “unmöglichen Stelle” am Waldrand vorbei. Diese Trasse erfordert ein komplett neues Ingenieurbauwerk (eine Brücke) über die Autobahn A36, welches man eigentlich schon vor Jahrzehnten hätte bauen können. Verwunderlich ist, dass im weiteren Verlauf nicht die naheliegende Route über den Rüninger Weg gewählt wurde. Warum sollte man eine Radschnellverbindung überhaupt planen, wenn an der offensichtlichsten und gut machbaren Stelle keine Änderungen möglich sind? Die Planerin verweist im Dialog auf die Steckbriefe jeder einzelnen Passage.

Variante 3: Die östliche Route an Stöckheim vorbei

Alter Weg Wolfenbüttel: Weiter geht es hinter der Schranke
Alter Weg Wolfenbüttel: Weiter geht es hinter der Schranke, aber nicht für den Radschnellweg? Hier würde die Route mit der Hauptstraße abbiegen.

Für Braunschweiger dürfte Variante 3 besonders interessant sein. Sie verläuft nicht entlang der Leipziger Straße, sondern führt östlich des Siedlungskerns von Stöckheim an Feldern und dem neuen Wohngebiet vorbei. Auf Wolfenbütteler Seite wird diese Route bereits heiß diskutiert.

Ein Manko: Eine innovative Lösung zur Querung des Autobahnkreuzes Braunschweig-Süd fehlt in der Planung bisher völlig. Zudem gibt es schon bei Wolfenbüttel entlang der B79 auf der östlichen Seite Konfliktpotenzial, denn nicht einmal der vorhandenen Weg lässt sich nicht ohne weiteres auf eine vier Meter breite Fahrbahn bringen. Die entsprechende Breite ist hier ein echter Sicherheitsfaktor. Schon heute finden sich hier nach Unwettern oft Äste auf dem bestehenden Radweg.

Vorhandener Radweg an der B79
Vorhandener Radweg an der B79 – unterhalb des Niveaus der Straße. Die Breite von 4.00m sollte hier zwar möglich sein, aber einfach ist nichtmal das.

Soziale Faktoren: Blendwirkung vs. Angsträume

Bei der Diskussion der Varianten spielte auch die soziale Komponente eine Rolle. Eine Route fernab des Autoverkehrs durch die Natur klingt idyllisch, schafft in der Dunkelheit aber sogenannte “Angsträume”, die einige Radfahrer lieber meiden würden. Führt die Trasse hingegen eng am Autoverkehr B79 entlang, wird der Lärm und die Blendwirkung durch entgegenkommende Scheinwerfer zum Sicherheitsrisiko. Der bestehende Radweg liegt etwa einen halben Meter tiefer als die Straße. Eine stärkere bauliche Trennung der Fahrbahnen wie etwa durch einen Sicht- und Lärmschutzzaun ist wegen des Wildwechsels eher schwierig.

Bürgerdialog an einer Station
Bürgerdialog an einer Station: Mit Planerin und Kommunikator

Wie geht es nun weiter?

Klar ist: Alle drei Varianten haben unterschiedliche Nutzerpotenziale. In Wolfenbüttel wurde der neue Weg und der Herzogstore im Dialog kontrovers diskutiert. Zwei weitere Termine folgen.

Erster Bürgerdialog mit konkreten Streckenvorschlägen zum Radschnellweg am 04.06.26 im Rathaus in Wolfenbüttel
Erster Bürgerdialog mit konkreten Streckenvorschlägen zum Radschnellweg am 04.06.26 im Rathaus in Wolfenbüttel

Weit westliche Strecken könnten wenn man dem beispielsweise das Zentrum von Wolfenbüttel verfehlen, meinen einige. Leider ist die Öffentlichkeitsarbeit des Regionalverbandes und der Kommunen sparsam. Aktuelle Infos kommen sehr spät und beim Regionalverband ist nichts zu sehen. Auch die Zeitungen der Funke Gruppe interessiert es weniger als die Anträge einer Fraktion im Rat in Wolfenbüttel gegen den RSW, eine Ankündigung ist nicht zu sehen.

Keine der nun vorgestellten Routen ist final. Die Bürger haben an diesem Abend sehr konstruktive Vorschläge eingebracht, die von den Planern nun in der nächsten Runde berücksichtigt und weiter ausgereift werden. Am Ende könnte es auch auf eine Kombination einzelner Streckenabschnitte hinauslaufen. Dass keine der Strecken momentan einer “idealen, grünen Traumroute” entspricht, ist kein Beinbruch – solange am Ende ein durchgängiger Radschnellweg von guter Qualität entsteht. So ist Klaus Benscheid, Stadtbaurat in Wolfenbüttel auch sicher: Die Route kommt. Es wird Verbesserungen für den Radverkehr im Bestand bringen. Der Antrag der CDU Wolfenbüttel gegen den Radschnellweg fand im Ausschuss keine Mehrheit, ein neuer Antrag sei zwar auf dem Weg, das mache ihm aber keine Sorgen.
Nun kommt der Temin in Salzgitter am 09.06.26 und in Braunschweig am 23.06.26. Im Herbst wird eine überarbeitete Planung in einer Bürgerinformationsveranstaltung, dann weniger im Dialogformat vorgestellt. Die Politik könnte dann voraussichtlich Ende des Jahres über die finale Strecke entscheiden.

Stadtbaurat Klaus Benscheidt äußert Zuversicht
Stadtbaurat Klaus Benscheidt äußert Zuversicht: Hier im Rathaus Wolgenbüttel wurde bereits sehr viel mehr über den RSW diskutiert als heute
Ausblick aus dem Rathaus-Sitzungssaal an einem verregneten Donnerstag auf den Markt
Ausblick aus dem Rathaus-Sitzungssaal an einem verregneten Donnerstag auf den Markt
Webseite Regionalverband:
Webseite Regionalverband: Aktuelle Informationen wie die Termine sucht man hier völlig vergebens

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