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Gibt die Verwaltung die Veloroute Wallring auf?

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Die Veloroute Wallring ist ein Projekt, welches sich die Stadtverwaltung Braunschweig im März 2023 selbst als Arbeit gestellt hat. Ihr Vorschlag zu einer zweiten Veloroute nach der ersten Route mit der Nummer vom Ziffernblatt 4 in Richtung Schöppenstedter Turm am Marienstift vorbei sollte signalisieren: Es geht voran. Nun gibt die Stadtverwaltung an der ersten Stelle, die für Radfahrer nur mit großer Gefahr überwindbar ist, auf.

Verwaltung gibt an erster Hürde auf

Vorher waren zwei Stellen entlang des Wallrings entschärft und neu gebaut worden, an denen es bisher schwierig, aber nicht unmöglich war: Die Kreuzung am Radeklint und auch die Querung der Sonnenstraße. Die Wendenstraße hat zwei neue Zweirichtungsradwege bekommen, am Theater soll gebaut werden.

Wird rege genutzt: Die auch für geübte Fahrer nicht ungefährliche Rampe am Löwenwall

Doch mit der Verwaltungsvorlage ist die im Uhrzeigersinn tätige Planung nun an ein jähes Ende. Die Aktiven in den Mobilitätsverbänden reiben sich die Augen und fragen sich was ist da los? Noch kurz zuvor war man im gemeinsamen Gespräch über Planungen in der nördlichen Innenstadt. Nur Tage danach kommt eine weitreichende Vorlage heraus, die die geplante Höhenquerung am Löwenball aufgeben möchte, im Termin davor war davon kein Wort zu hören. Der ADFC verfasst noch vor den beiden Sitzungen von Stadtbezirksrat und Mobilitäts-Ausschuss eine Stellungnahme und fordert am 22.04.26 dazu auf, der Vorlage nicht zuzustimmen:

Mit einer Zustimmung zu der Vorlage würde die Chance auf Verbesserung der Radinfrastruktur am Löwenwall ohne Not aufgegeben. Der Verlauf der 2023 beschlossenen Veloroute Wallring (DS 23-20323) wurde von der Verwaltung erarbeitet. Daher kann davon ausgegangen werden, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits eine Vorstellung zu einer baulichen Lösung zur Überwindung des Höhenunterschieds am Löwenwall gegeben hat. Die vorliegende Beschlussvorlage beinhaltet keine untersuchten baulichen Lösungen, auch nicht die Lösung, die der Kostenschätzung im siebenstelligen Bereich zugrunde liegt. Zudem könnten für Lückenschlüsse im Radverkehrsnetz Fördermittel beantragt werden.

Nicht nur das Timing ist also fragwürdig.

Keinen Bock auf Arbeit in der Stadtverwaltung?

Eine Rampe am Löwenwall: Wie auch immer sie aussieht, Möglichkeiten gibt es genug

Hat man in der Stadtverwaltung einfach keinen Bock mehr auf die eigene Arbeit? Schon bevor es zur Idee Veloroute Wallring kam, war die Kante am Löwenwall hin zur Kurt-Schumacher-Straße bei den Verbänden ein Thema. In einer Broschüre des VCD ist eine Skizze für eine Rampe enthalten. Die Stadtverwaltung räumt nun ein, dass sie kein keine Idee habe, wie sie die Rampe dort bauen könne ohne eine hohe sechsstellige Summe zu investieren. Doch diese Argumentation wird nicht mit mit Fakten hinterlegt.

Weder sieht man Pläne, noch erfährt man, wie die Stadtverwaltung denn überhaupt überlegt hat, das Problem zu lösen. Vor Jahren waren im Gespräch mehrere Möglichkeiten erörtert worden. Das an Knackpunkten in der Verkehrsplanung auch höhere Summen wichtig sind, um Hindernisse im Radverkehr auszuräumen, sagt sie nicht. Die Signalwirkung von neuen Bauwerken für den Radverkehr wie der Brücke in Tübingen ist enorm: Radverkehr ist wichtig, wir geben Geld aus. Das Gegenteil nun in Braunschweig. Beim Neubau des Überfliegers vom Ölper Knoten auf die A391 in eine einzige Richtung waren zuletzt auch 30 Millionen Euro in Ordnung, bevor 2024 dem Bund das Geld dafür ausging. Seitdem wird der Überflieger einspurig benutzt, ein enormer Luxus trotz alledem.

2,45m Höhenunterschied: Unüberwindbar

Neubau Fahrradbrücke in Tübingen (2025): Großes Hinternis für den Radverkehr beseitigt. F: Ingwar Perowanowitsch

Nun ist das Hindernis hier etwas weniger groß. Wir haben nachgemessen: Der Höhenunterschied zwischen Löwenwall und Kurt-Schumacher-Straße beträgt 2,45m. Für Radverkehrsanlagen wird eine Steigung unter 6% angeraten. Das bedeutet, man sollte eher darunter bleiben und vielleicht von einer Steigung von 5% ausgehen. Die Länge bei einer 5-prozentigen Rampe beträgt gut 50 m. Bei 4% wird eine Rampe bzw. eine Auffahrt entsprechend länger. Doch Platz ist am Ende des Löwenwalls vorhanden, hieran kann es nicht liegen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Unterschied zu überbrücken. Auch fällt bei einer Ortsbegehung auf, wie viele Menschen die für den Kinderwagen gedachte vorhandene Rampe in der Treppenanlage mit dem Rad nutzen, ob es sportliche junge Leute sind oder ältere, die sich hier auch schnell Knochenbrüche zu ziehen können.

Platz ist reichlich vorhanden: Kurz Schumacher-straße unterhalb des Löwenwalls

Doch das ist für die Stadtverwaltung kein Grund. Die Führung soll nun alternativ über die Adolfstraße und die Leonhardstraße laufen. Doch hierfür sind bisher keine Voraussetzungen erfüllt, wie z.B. eine einfach zu realisierende geschützte Radspur von dem Wilhelm-Gymnasium. Weitere Verbesserungen für den Radverkehr um aus dem Magniviertel in Richtung Kennedyplatz herauszukommen, gibt es nicht.

Vier Autospuren und noch keine geschützte Radspur: Leonhardstraße im Verlauf der von der Verwaltung künftig gedachten Veloroute Wallring
Fossile Infrastruktur aus der Küchenstraße Magniviertel Richtung Süd-Westen: Wie soll hier man mit dem Rad queren oder zu Fuß zur Stadtbahn kommen? Ein Lost Place in der der Braunschweiger Innenstadt

Es darf mutgemaßt werden, ob die Strategie hinter dem Antrag ledigtlich ist, Arbeit als erledigt anzuerkennen, die man noch vor sich hat. Es sieht nicht danach aus, als ob mit der Aufgabe einer Rampe am Löwen weil irgendwelche Probleme verschwinden, die es faktisch gibt. Stattdessen besagt man nur, dass man ein Problem, welches man bisher nicht lösen konnte, auch in Zukunft nicht lösen möchte.

Stadtrat stimmt zu: Legt Euch wieder hin

Und genau hier passt das Gefühl beim Lesen des Antrags zu einer Stimmung im Stadtrat: Stadträte im Ausschuss für Mobilität halten das Verfahren für sinnvoll, um den überlasteten Planern zu helfen. Das Pragmatismus fällt auffällig oft, neben der CDU auch bei Detlev Kühn von der SPD. Man möchte Pragmatismus demonstrieren, um nichts weiter tun zu tun. Denn was die Planer nun stattdessen planen, bleibt offen. Der Stadtrat stimmt somit am 28.04.26 mit den Stimmen von CDU und SPD der Vorlage der Verwaltung zu. Wir dürfen gespannt sein, ob es demnächst Vorlagen zum Lückenschluss der Veloroute am Kahlenwall und Bruchtorwall gibt, erwarten sie aber nicht. Hierbei hat sie die Stadtverwaltung zuletzt darauf verwiesen, man sei beschäftigt mit dem Bohlweg. Doch wie lange die Verwaltung damit noch beschäftigt sein will, bleibt ebenso unklar. Der Sachstandsbericht zum Radverkehr ist nun 12 Monate überfällig und der aktuelle Bericht mit dem Datum 31.12 25 liegt weiterhin noch nicht vor.

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