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Stadtplanung der Zukunft – Perspektiven für lebenswerte und resiliente Innenstädte

Städte stehen heute vor der großen Herausforderung, auf einen tiefgreifenden Wandel gesellschaftlicher Trends vom Kaufverhalten bis zur Mobilität, die Auswirkungen des Klimawandels und die Alterung der Bevölkerung zu reagieren. Im Folgenden sollen einige Ansatzpunkte und Perspektiven für lebenswerte, resiliente Innenstädte im Fokus der Verkehrsinfrastruktur aufgezeigt werden.

Stadtbild Gesamtstadt von oben
Eine Stadt – ein vielfältiger Organismus

Die oft dichtbesiedelten Innenstädte sind zu einem Großteil als Verkehrsflächen für den motorisierten Verkehr ausgelegt. Ehemals monofunktionale Einkaufszonen verlieren an Bedeutung und drohen zu veröden. Zeitgleich geht der Trend zu Shopping Malls und Einkaufszentren, die oft am Stadtrand gelegen sind. Auch Onlinehandel belastet die Verkehrsinfrastruktur, da Lieferzonen und Last-Mile-Lösungen fehlen. Entlastend wirkt sich andererseits die zunehmend digitale Arbeitswelt aus, da sie Tätigkeiten im Homeoffice ermöglicht.

Schnell fließender Verkehr hat einen enormen Bedarf an Flächen

Innenstädte müssen multifunktional sein, sie sollen Orte zum Arbeiten, Wohnen, Konsumieren, sozialen Austausch und Erholen sein, wobei Lebensqualität zunehmend zum zentralen Maßstab der Stadtentwicklung wird. Mobilität ist Voraussetzung für Teilhabe und muss an die Möglichkeiten und Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung angepasst werden.

Aufeinandertreffen von Verschiedenheit, die Stadt verbindet
Städte sind auch Verschiedenheit nebeneinander: Jeder auf seine Weise und dem anderen Raum lassend, sprichwörtlich
Leute auf der Straße in drei Anordnungen - einmal wie im Bus eng nebeneinander, einmal nebeneinander wie auf dem Rad, einmal mit viel Platz jeder in seinem gedachten Auto
Platzbedarf von Bus, Rad und Auto

Problematisch ist die über Jahrzehnte gelebte Priorisierung des motorisierten Verkehrs aus mehreren Gründen. Da ist zunächst der hohe Flächenverbrauch zu nennen. Wollen 50 Personen eine beliebige Strecke zurücklegen so belegen sie in Bewegung mit dem Bus 70 m2, mit dem Fahrrad 580 m2 und mit dem Auto (durchschnittlich besetzt mit 1,3 Personen) 2375 m2. Nicht eingerechnet sind die Parkflächen, die zusätzlich Fläche, oft im Straßenraum, benötigen. Öffentliche Verkehrsmittel und Radverkehr sind somit deutlich flächeneffizienter.1

Flächenverbrauch für einzelne motorisierte Fahrzeuge: Maximal

2 von 5 Strecken keine 5 Kilometer lang

Nach Untersuchungen in deutschen Großstädten betreffen mehr als 40 % der Autofahrten eine Strecke von weniger als fünf Kilometer Länge und liegen damit in einem Entfernungsbereich, in dem das Fahrrad sogar das schnellste Verkehrsmittel ist.2 Fahrradfreundliche deutsche Städte wie Münster, wo 47% der Wege mit dem Rad zurückgelegt werden, zeigen das hohe Potential für dieses Verkehrsmittel durch Verbesserung der Radinfrastruktur.3

Hohes Potential für mehr Radverkehr

Dass diesbezüglich noch erheblicher Nachholbedarf besteht, zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit einem Anstieg von Radunfällen von fast 40% seit 2013 . Demnach starben 2022 auf deutschen Straßen 474 Fahrradfahrer, rund 98.000 erlitten Verletzungen. Die meisten dieser Unfälle ließen sich bei Verfügbarkeit einer guten, durchgängigen Radverkehrsinfrastruktur vermeiden. Voraussetzung hierfür sind klar definierte Verkehrsräume mit angemessenem Flächenanteil und nach Möglichkeit getrennte Radwege (als Fahrradstraße, baulicher Radwege, geschützter Radfahrstreifen, Pop-Up-Radwege).

Platz fürs Auto ist oft nicht gut für Menschen

Auch unter gesundheitlichen und ökologischen Aspekten ist der hohe Anteil des motorisierten Individualverkehrs kritisch zu bewerten. Belastungen der Innenstädte durch Abgase, Feinstaub und Lärm aber auch der Hitzestau in den Sommermonaten sind zu hohem Anteil auf die derzeit noch vorherrschende Verkehrspolitik zurückzuführen. Eine Priorisierung des Autoverkehrs fördert zudem die Immobilität im gesamten Altersspektrum, beginnend bei den Schülern, denen ein selbstständiger Schulweg im zunehmend dichten Verkehr oft nicht mehr zugetraut wird. Das häufig aufgeführte Argument, ein PKW garantierte Senioren eine selbstbestimmte Mobilität und Teilhabe bis ins hohe Alter, erweist sich bei genauerer Betrachtung als Trugschluss.

Trugschluss Auto: Keine Garantie für Selbstständigkeit im Alter

Das Steuern eines PKW im dichten Stadtverkehr erfordert körperliche und kognitive Fitness sowie ein rasches Reaktionsvermögen, Fähigkeiten also, die im Alter naturgemäß abnehmen. Zugutekommen würde einer alternden Bevölkerung und den schwachen Verkehrsteilnehmern in den Innenstädten hingegen eine Entschleunigung und Verkehrsberuhigung. Die zahlenmäßig große Gruppe der Senioren ist sehr heterogen. Viele sind lange aktiv und entdecken dank technischer Entwicklungen das Fahrrad als geeignetes Fortbewegungsmittel, um Fitness und Spaß miteinander zu verbinden. Für die weniger mobilen Senioren müssen Konzepte für on-Demand-Transporte und ausreichend Parkraum für ambulante Pflegedienste, Krankentransporte sowie Lieferdienste im Innenstadtbereich geschaffen werden.

Fussgängerfreundlicher und Radfreundlicher Überweg
Qualität im öffentlichen Raum zahlt sich aus

Somit ergeben sich eine Vielzahl von Ansätzen, um die Städte für alle Altersgruppen lebenswert zu gestalten und zukunftssicher aufzustellen, wobei der Mobilität eine Schlüsselrolle als Bindeglied zwischen ökonomischen, ökologischen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Aspekten zukommt. Viele Städte haben die Weichen in Mobilitätentwicklungsplänen bereits gestellt. Fahrzeugtechnische Entwicklungen hin zum autonomen Fahren, eine zunehmende Digitalisierung und ein multimodales Verkehrsangebot mit Sharingdiensten helfen einerseits, flexible individuelle Lösungen für eine Mobilität der Zukunft zu entwickeln.

Andererseits wird Raum frei für Entsiegelungsstrategien, Stadtbegrünung und die Gestaltung von Räumen für Freizeit, Begegnung, Kultur, Gastronomie ect. Die anstehenden Transformationsleistungen lösen allerdings bei vielen Bürgern auch Ängste und große Skepsis aus. Zu lange wurden Städte „autogerecht“ gestaltet und Versuche einer Abkehr von diesem Konzept mit wirtschaftlichem Niedergang gleichgesetzt. Diesen Sorgen mittels intensiver Öffentlichkeitsarbeit und durch Angebote zur Bürgerbeteiligung zu begegnen, kann dazu beitragen, die Zuversicht auf die Chancen einer Verkehrswende zu stärken. Projekte einer gelungenen Umsetzung, wie den Bau einer Veloroute oder eines gelungenen Parkraumkonzeptes beispielsweise medial zu begleiten und erlebbar zu machen, eröffnet Perspektiven für weitere Gestaltungsoptionen.

Quellen:

  1. https://vcoe.at/publikationen/vcoe-factsheets/detail/vcoe-factsheet-2016-01-urbaner-verkehr-der-zukunft-sauber-und-platzsparend ↩︎
  2. Bundesumweltamt, Expertenschätzung 2014 ↩︎
  3. Radverkehrsbericht Münster 2018 -2022 ↩︎

Ein Gedanke zu „Stadtplanung der Zukunft – Perspektiven für lebenswerte und resiliente Innenstädte“

  1. Letztendlich holt ihr hier wieder mal alte Kamelle von vor 20-30-40 Jahren hervor, dass sind sinngemäß genau die Sprüche, die damals schon von den Gründern des AD”F”C und anderen Initiativen wie dem BS-Forum gepredigt wurden. Insbesondere das mit den Wegen unter 5 Kilometern; es ist sinnlos damit zu versuchen die Autofahrer aus ihrer bequemen, warmen Blechkiste zu holen, dass werden trotzdem immer mehr.
    Die Bilder von der Demo in der Salzdahlumer Straße stammen von einer eurer ersten Aktionen, dürfte auch ca 8-10 Jahre her sein.

    Auch der Verweis auf Senioren, welche irgendwann nicht mehr fähig sind Auto zu fahren, ist nicht neu. Aber glauben Sie ernsthaft, dass wackelige Tattergreise auf dem Fahrrad oder Pedelec besser aufgehoben sind? Viel mehr ist es so, dass da alle betroffenen Lobbyverbände und Ärzte unterschwellig oder offen Werbung für Pedelecs machen und die Senioren von einer Gefahr in die andere kommen. So ein 25km/h Pedelec vs. abnehmende Fähigkeiten dieses zu kontrollieren führt auch zu schweren Stürzen, ggf. ohne Helm. Und ich bezweifele auch die ärztlichen Meinungen über verbesserte Kondition und Wirkung gegen Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, etc.pp., denn wer sich wie viel Pedelecfahrer eben ihren fetten Wanzt fünzig und mehr Jahre angefressen haben, werden diesen bei Seniorenfresstouren zur Einkehr auch nicht wieder weg trainieren und gesund werden. Wenn man sich im Internet veröffentlichte Bilder von den Radtouren des AD”F”C Salzgitter und Braunschweig ansieht, sieht man genau das, überalterte, adipöse Tourleiter und Teilnehmer mit Pedelecs, die sich ständig stolz beim Fressen fotografieren.
    – Das soll also unsere “Fahrradlobby” sein? Senioren? Übergewichtige? Mofafahrer? –

    Die Radlobby hier macht Werbung fürs Pedelecfahren im Alter, Fresstouren an den Stadtrand und will lauthals Schnellradwege, Velorouten haben, die keine Sau braucht. Die Jugend lasst ihr völlig außen vor, Kritiker werden beiseite geschoben, Vielradfahrer mit über 10000 Jahreskilometern (biologisch) und Ortskenntnis ignoriert ihr. An Infoständen dreht ihr Euch entweder weg oder deckt im Gespräch Eure Inkompetenz auf. Oder vom AD”F”C ganz tolle Bemerkung, sich solle mir ein Pedelec kaufen (stand mit Rennrad da).

    Ihr schreibt da oben was von Entsiegelungen der Verkehrsflächen, Begrünung, mit Forderungen nach Schnellradwegen und z.B. der Veloroute Uferstraßé oder Ringgleis Ostkurve sorgt ihr nur dafür, dass man weitere Flächen VERSIEGELT. Die Verkehrsflächen müssten neu sortiert werden, so ist es längst überfällig hier da ma ne Fahrspur für einen separaten Radweg wegzunehmen, oder das Radfahren auf der Fahrbahn zuzulassen. Ringgleis Ost vs. Brodweg, hinten rum ists nen Umweg, tretet dem Fechtel und Gutzeit in den Arsch, die sollen endlich abdanken, Planen total am Bedarf vorbei!
    Und der Zustand der Bestandwege wird weiterhin von den Fahrradgruppen vernachlässigt, Wuzelhuckel, Matsch, kaputtes Ringgleis bei Gartenstadt.
    Große Schnautze habt ihr mit euren Velorouten, aber im mangelhaften Bestand versagt ihr seid Jahrzehnten total. Ihr gründet “neue” Sockenpuppenvereine und -Initiativen, die aus den bereits bekannten Aktvisten des AD”F”C, VCD, Braunschweiger Forum bestehen. Den alten verfilzten Zopf voller Läuse schneidet ihr nicht ab.

    Wie kommts eigentlich, dass man 300 verschiedene Routenvorschläge für den Schnellradweg BS-WF-SZ hat? https://regionalheute.de/geplanter-radschnellweg-darum-verzoegert-sich-die-planung-braunschweig-salzgitter-wolfenbuettel-1768570386/
    Will da jeder seine persönliche Lieblingsroute haben? Schon klar, strunzdumme Egoisten, übergewichtige Pedelecsenioren, zu blöd um ne Karte zu lesen und die SECHS asphalltieren Bestandwege zu probieren. Die falsche Fahrradlobby eben.
    Heute wird ja auch gerne mit komoot geradelt, dass eigene Hirn ersetzt diese App aber nicht. Tss… vor rund 10 Jahren haben mich Tourleiter und Teilnehmer noch schief angesehen, als ich mit GPS und (digitaler) OSM-Karte drauf am Rad fuhr, dabei war ich denen weit vorraus, heute bietet der AD”F”C Kurse für ne Schwachsinns-App auf Handy an, die das eigenständige Denken, die spontane Tourplanung und Entdecken in der Landschaft verhindert. Witzigerweise hat mir die automatisierte Komoot-Planung dann mal je nach dem 10-20km mehr Wegstrecke angeboten, oder wollte mich auf bestimmte Straßen garnicht lassen und zog ne Linie im Kreis drumrum. Alles nur KI-Schrott!

    Wirds dieses Jahr noch schlimmer mit den Radvereinen hier? Infostände mit alten, dicken Pedelcfahrern auf Stadtfrühling, oder gar Tag der Niedersachsen?
    Für die Jugendarbeit und Radsport müsste was in der Öffentlichkeit getan werden, nicht fürs Ausflugs-Seniorenradeln und sich den Wanzt bis zum Platzen vollhauen. Wir haben damals jedenfalls noch Schüleradtouren in die Asse gemacht. Wer macht den heute noch sowas, FIBS und andere Aktionen für jüngere Radfahrer? Oder die AD”F”C-Radtour ‘XX um die Stadt, eingestellt. Alles Gute von den Radgruppen ist weg.

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