Am 27. Oktober 2025 fand eine Veranstaltung der IHK zum Thema: Wirtschafts- und klimafreundliche Mobilität im Großraum Braunschweig am Beispiel der Braunschweiger Innenstadt im Funke-Medienhaus statt. Die Industrie- und Handelskammer präsentierte sich als guter Gastgeber: Nicht nur ließ Sie Raum auf dem für Verbände und Wissenschaft auf dem Podium, sondern sie sorgte auch für gute Bewirtung im Anschluß. “Let’s talk” war Motto des Abends und sorgte für gute Atmosphäre und von Beginn an.
Kernfrage der Veranstaltung war demnach, wie Mobilität so gestaltet werden kann, dass sie den Bedürfnissen von Handel, Gewerbe und Kunden gerecht wird, ohne den Klimaschutz aus den Augen zu verlieren. Im Mittelpunkt solle nicht „eine fertige Wahrheit, sondern der Austausch stehen“ – so der Anspruch der Veranstalter.

Auffällig war jedoch, dass ausschließlich männliche Referenten eingeladen waren – obwohl inzwischen gut belegt ist, dass Frauen sich anders fortbewegen: Sie übernehmen weiterhin den Großteil der Sorgearbeit, legen häufiger Wegeketten im Wohnumfeld zurück und nutzen multimodale Verkehrsmittel je nach Zweck. Dieser wichtige Aspekt fand keinerlei Berücksichtigung.
Auch die Verteilung der Redezeiten war unausgewogen. Der Präsident der IHK Braunschweig, Tobias Hoffmann, sowie sein Vizepräsident Dr. Ralf Utermöhlen und Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum erhielten jeweils zehn Minuten. Die Vertreter aus Verkehrsverbänden, Wissenschaft, Handel und Gastronomie mussten sich hingegen auf zweiminütige „Pitches“ beschränken, deren Einhaltung Moderator Armin Maus strikt überwachte. Armin Maus arbeitete von 2001-2021 als Redaktionsleiter und bald als Chefredakteur bei der Braunschweiger Zeitung. Aktuell ist er als Geschäftsführer der Autostadt Wolfsburg tätig bis Ende 2025.

Positiv wirkte sich dieses Format allerdings auf die anschließende ausführliche Diskussion aus. Zahlreiche Stimmen aus dem Publikum machten die Vielschichtigkeit und Brisanz des Themas deutlich. Dennoch blieb es weitgehend beim Schlagabtausch unterschiedlicher Perspektiven. So wurde der Forderung nach mehr günstigem Parkraum für Seniorinnen und Senioren sowie Besucherinnen und Besucher aus dem Umland die geringe Auslastung der bestehenden Parkhäuser entgegengehalten, die im Durchschnitt bei nur etwa 45 Prozent liegt. Mehrfach wurde zudem aus dem Publikum angeregt, erfolgreiche Beispiele aus anderen deutschen und europäischen Städten einzubeziehen, in denen eine Stärkung von Fuß- und Radverkehr Handel, Gastronomie und Lebensqualität nachweislich verbessert hat – ohne den Autoverkehr zu verbannen. Diese Hinweise blieben unbeantwortet.
Konstruktiver Dialog: Erwünscht!
Als Fazit zeichnete sich ab, dass dem Thema Mobilität eine Schlüsselrolle für die zukunftssichere Stadtentwicklung zukommt und dass ein vertiefter Austausch dringend notwendig ist. Sowohl die verschiedenen Interessenvertreter als auch das Publikum signalisierten klare Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog.

Eine Folgeveranstaltung ist daher nicht nur wünschenswert, sondern wurde auch in Aussicht gestellt. Deren Konzept sollte jedoch sorgfältig gestaltet werden, um echte Entwicklungsprozesse anzustoßen. Die Veranstaltung vom 27.10.2025 war stark von Befürchtungen geprägt: der Sorge um wirtschaftlichen Niedergang, den Verlust von Teilhabe, um die Zerstörung unserer Lebensräume und zunehmende soziale Spaltung. Doch Ängste und Sorgen sind bekanntlich schlechte Ratgeber. Wer gestalten und verändern will, braucht Zuversicht, Visionen und Verbündete.


Wir plädieren dafür, den nächsten Schritt anders zu setzen: Am Beginn sollte eine fundierte Einführung in moderne Stadtplanung stehen – etwa durch eine renommierte Expertin oder einen ausgewiesenen Experten für Urbanistik. Auf dieser gemeinsamen Wissensbasis ließen sich Zukunftsvisionen für Braunschweig entwickeln und konkrete Schnittmengen identifizieren. Daraus könnten realistische, gesellschaftlich breit getragene Projekte entstehen, die wirtschaftliche Stärke, Lebensqualität und Klimaschutz miteinander verbinden.
Impressionen vom 27.10.25



Eine nicht-repräsentative Zusammenstellung fasst Ideen und Chancen einer progressiven Verkehrspolitik zusammen, aber auch die Notwendigkeit für echten Klimaschutz in der Mobilität: