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Bürgerinfo Helmstedter Straße: Der Wind hat sich gedreht. Letzte Änderungen

Ein Abend mit sehr dichter Atmosphäre in der Aula der Gaußschule. Die Bürgerinfo zur ersten Veloroute bringt Änderungen, aber keine fundamentale Umkehr. Viele im Radverkehr Aktive hatten befürchtet, dass nach kürzlichen Enscheidungen in der Politik hier wieder alles kippt nach Jahren der Planung. Vorgestellt wurde die erste Version am 15. November 2023. Anwohner werden in ihren Gewohnheiten herausgefordert. Die Ängste zu Leerstand, Verfall und neuen Unfallrisiken werden aber im Saal nicht geteilt. Dafür gibt es zu viele Erfahrungen von anderswo, dass gute Radwege nicht nur Sicherheit sondern auch geschäftlich Erfolg bringen.

Man kann sein Auto auch aufgeben

Man kann sein Auto auch aufgeben, man muss das nicht behalten.” So lautet einer der sarkastischen Zwischenrufe am 20.03.25 gegenüber Anwohnern, denen zum Teil der privat genutzte Parkplatz im öffentlichen Raum wichtiger ist als ein Radweg für alle. Andere beschäftigt monatelang der entfallende Linksabbieger aus der Helmstedter Straße. Es kommt an diesem Abend zu einem Austauch von stark vertretenen Interessen.

Beginnend beim Marienstift stellt Frau Tiefbauamtschefin Niemann die verfeinerten Planungen vor, stadteinwärts und Abschnitt für Abschnitt. Es gibt ein gewissen Unmut über die erneute Umgestaltung des Alverdiek-Platz und dass am Hauptfriedhof noch nichts vorgestellt wird. Doch da gibt es schon Planungen, und es gäbe das geforderte “Gesamtkonzept”, so Niemann.

Inmitten schnell fahrendem und stark motorisiertem Verkehr: Autoperspektive Ring an der Helmstedter Straße

Der Knotenpunkt Helmstedter-Straße – Ring wird erheblich verbessert – für Radfahrer entlang des Rings. Denn hier sollen zum ersten Mal Radwege höhengleich ausgeführt werden.

Dann gehen wir durch die Helmstedter Straße zum Knotenpunkt mit der Kastanienallee.Obwohl längst klar ist, dass man künftig aus der Helmstedter Straße nicht mehr links in die Stadt wird fahren können, wird genau das immer wieder und wieder nachgefragt. Man kommt problemlos weiterhin in die Stadt, nur eben an der Stelle nicht mehr mit dem Auto links abbiegend. Das provoziert dann bei erneuter Nachfrage irgendwann auch den genervten Einwurf: “Man kann sein Auto auch aufgeben”.

Kreuzung Helmstedter Straße / Kastanienallee 2025

Kann man denn noch in der Helmstedter Str. Auto fahren?
Heute schon verkehrsberuhigt.

Frau Niemann lässt den Anwohnern und Kritikern sehr viel Raum. Einer der Initiatoren der Initiative GaBS, Roman von Dobbeler, schaltet sich freundlich, aber bestimmt vielfach in die Diskussion ein.

Auch Jens Schütte vom ADFC nimmt Stellung und verweist auf Vorteile: “Die Helmstedter Straße soll Fahrradstraße werden. Das bedeutet, dass dort kein KFZ-Durchgangsverkehr mehr ist. Aus diesem Grund wurde das Design für diese Kreuzung entwickelt. Der positive Nebeneffekt ist, dass dort deutlich weniger KFZ fahren.

Frau Niemann stellt Protektionselemente vor, die so wie Wälle aussehen im Querschnitt und erinnert auf die Ausführung in der Ackerstraße. Für größeres Gelächter sorgt die Frage einer Anwohnerin “Sind die auch reversibel, also falls die Veloroute nicht so gut angenommen wird?” Nein, sie sind nicht reversibel, nur mit russischen Atombomben, so die einhellige Meinung mit Schmunzeln im Publikum. Hier ist man gewiss, dass der Bedarf nach guten Radwegen nicht zurückgehen wird.
Woher kommen die Zahlen überhaupt, und wie werden sie gemessen? Etwa gegen 19:30 kommt es zu einer Offenbarung. Ein Anwohner kritisiert, hier würde eine Planung für 2.000 Radfahrer gemacht, und es sei völlig unklar, ob diese Zahl überhaupt erreichbar sei. Man müsse mit echten Zahlen arbeiten anstatt nur zu schätzen. Schütte korrigiert, es sei keine Schätzung, sondern eine Prognose. Doch dann kommt es:

“Wir haben da auch gezählt.” und hier ist die Antwort:

1.900 Fahrräder am Tag im Winter

Die Zahl verändert alles im Raum. Schlagartig ist die Argumentation “da fährt ja niemand” wertlos. Aktuell fahren 5.000 Kraftfahrzeuge die Helmstedter Straße und dazu 1.900 Fahrräder. Und das im Februar, teilweise noch bei Frost, in einer 24h Zählung. Das hat auch die Stadtverwaltung selbst überrascht.

Es folgen Umfangreiche Diskussion um Abbiegebeziehungen zwischen Kastanienallee und Helmstedter Straße. Es gibt Kritik daran, dass die Kastanienallee nicht einbezogen wurde. Denn hier wird der stark motorisierte Verkehr noch etwas stärker gebündelt als jetzt schon. Die Kastanienallee war nicht Teil des Auftrags. Aktuell gibt es viele Überlegungen, die Kastanienallee außerhalb des Rings noch weiter zu beruhigen. Doch hier gibt es natürlich den Widerspruch, dass stadtauswärts ab der Kreuzung mit der Hochstraße erstmal die weniger frequentierte Straße zur Fahrradstraße wird. Dieser Widerspruch wird nicht ganz aufgelöst, er liegt in der Natur von politischem Beschluss und Verwaltungshandeln.

Die erneut gleiche Frage startet einen direkten Abtausch im Publikum: “Mein Gott, irgendwo muss man doch mal anfangen!” großer Applaus folgt. “Wir können noch 10 Jahre diskutieren ob das die richtigen Stellen sind.” Nach einigem Hin und Her wird schlägt derjenige vor, dass man sich darauf einigen könne, dass wir “anschließend noch die Kastanienallee machen.” Er hat die Wut der Anwohner genutzt und gedreht, und ihr eine andere Richtung gegeben. Das passiert auch, als erneut die Leonhardtstraße wieder von einem Anwohner als alternative Veloroute vorgeschlagen wird, trotz der hochfrequentierten Helmstedter. Sofort reagiert ein anderer darauf und sagt “Wir brauchen viele Radwege, viel mehr als heute.”

Wut in Energie wandeln

Der Schlosser Klammroth beschwert sich, dass er nicht in die Planung einbezogen wurde. Für die Belieferung des Stahlbauers fahren Sattelauflieger rückwärts auf das Gelände und rangieren dazu auf dem Rechtsabbieger Kastanienallee. Herr Pottgießer war zwar dann einmal bei ihm und habe veränderte Pläne vorgestellt, aber so eine richtige Klärung sei das nicht gewesen. Die Stadtverwaltung scheint sich manchmal schwer zu tun mit Anliegern. Umgekehrt ist es für die Verwaltung eine Hürde, in vielfacher Ausführung die immergleichen Fragen gestellt zu bekommen, nur weil ein Teil des öffentlichen Raums künftig anders genutzt wird.

Es folgen noch Diskussionen, welche Geschwindigkeit geplant ist, und ob vielleicht doch Tempo 30 km/h ginge, was aktuell wohl noch nicht der Fall sei. Die Frage – Wie ist denn die Geschwindigkeitsregel für motorisierte Fahrräder- provoziert eine schöne Diskussion um Verkehrsregeln. Pedelecs sind bei 25km /h abgeregelt, S-Pedelecs bei 45 km/h. “Überall in Deutschland ist das so, .. und auch hier”.

Es gibt Kritik an Radfahrern, die den Zebrastreifen nicht respektieren und den Berg hinunterrasen. Vielleicht eine Stelle für eine Polizeikontrolle, allerdings keine Unfallhäufungsstelle. Fussgängerüberweg lernt jeder in der Verkehrserziehung, die Sichtbarkeit ist gegeben, entgegnet Frau Niemann. Einer schlägt einen Doppelbord ider eine durchgezogene Linie im Bereich Bushaltestelle vor. Autofahrer überholen da sehr schnell, Beispiel in Querum.
Dort ist es ein großes Problem.

Eine Bürgerfrage zur Kreuzungsgestaltung bringt die Verkehrsplaner wieder in leichte Schwierigkeiten. Warum sind die Straßen Adolfstraße und Parkstraße im Kreuzungsbereich nicht schmaler? Geltende Regeln legen nahe, dass dort 4,50m nicht überschritten werden dürfen. Das bedeutet Schutzkreuzungen so wie im mittleren Teil der Adolfstraße. Guter Punkt! Hier wird auch nach der Veranstaltung etwas geändert.

Eigentlich nichts neues: Schutzkreuzungen an Fahrradstraßen. Bisher offenbar nicht vorgesehen,trotz Umbau.
Zentraler Abschnitt und Zankapfel: Der Teil, wo Parkplätze zu gemeinschaftlich genutzten Radwegen werden

Der Straßenabschnitt zwischen Parkstraße/Adolfstraße und der Hochstraße ist der umstrittenste. Ein älterer Anwohner macht seine großen Sorgen aufgrund der Änderungen an dieser Passage hörbar: Es fallen in diesem Viertel demnächst 168 Parkplätze weg – Wo sollen die dann parken? Man kann die Angst fast physisch spüren:
Wir haben nichts gegen Fahrrad, aber wir können auf der Helmstedter Straße eine Fahrradstraße draus machen.
Da gehen Geschäfte Pleite. Immobilienbesitzer kriegen keine Mieter, da sind Leerstände, Gewerbeeinnahmen gehen flöten.”
Die Helmstedter Straße kann allerdings nicht als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Es wird befürchtet, dass auf Hochstraße, Parkstraße und Adolfstraße auch Parkplätze wegfallen. Frau Niemann will an dieser Stelle diplomatisch antworten und stellt eine spätere Entscheidung zur Parkstraße klar: Wir schauen uns heute die Planung für Veloroute – an, und die Zahl 150 muss ich korrigieren. Ob sie wirklich was so verändert auf der Parkstraße und der Adolfstraße, das ist heute noch nicht klar, und das wird der Politik auf jeden Fall noch einmal vorgelegt wird. Bleibt es Fahrradstraße oder nicht? Gremien werden entscheiden. Ein anderer beharrt darauf “Die Parkstraße darf laut Gesetzgebung keine Fahrradstraße sein” was aufgrund der geringen Breite auch nicht ganz abzustreiten ist. Das provoziert den Zwischenruf: “Vielleicht ist es auch ein illegaler Parkplatz.” Amtsleiterin Niemann möchte an dieser Stelle erstmal Zeit gewinnen und muss die Anwohner vertrösten. Sie weist darauf hin, dass Beschlüsse öffentlich sichtbar getroffen werden. Zugleich gibt sie dem Anwohner recht, dass sie nicht den Regeln und dem Braunchweiger Standard entspricht.

Bürgerversammlung, weil wir es wollen

Frau Niemann stellt klar: Diese Bürgerversammlung machen wir nicht weil wir es müssen, sondern weil wir es wollen. Wir haben viele Themen bei der Umgestaltung von Straßen. Ein anderer wendet ein: Ich finds völlig ok, dass Parkplätze wegfallen. Man kann auch ein Büro betreiben ohne dass Parkplätze vor der Tür sind, da kommen Kunden auch hin. Sie sind als Anwohner hier und kämpfen für Parkplätze, aber Sie tun das nicht für alle hier. Er sagt auch, die Körnerstraße sei ein Parkplatz, keine Straße.

Ein bereits in Erscheinung getretener Anwohner beklagt acht Monate Leerstand, weil keine Parkplätze da sind. Interessenten würden sich abwenden. Zum anderen gibt es auch jetzt schon einen jahrelangen Leerstand trotz Parkplätzen, der Laden Helmstedter Straße 170.

Nun Jens Schütte, ADFC Vorstand: Er vertritt die Interessen der Radfahrenden und zu Fuß gehenden in dieser Stadt. Die Interessen müssen abgewogen werden. Wie werden Privatinteressen bewertet und wie die Interessen von vielen bewertet, die Rad fahren wollen, und das aber nicht tun, weil es ihnen zu gefährlich ist? Alle Interessen müssten gleichmäßig berücksichtigt werden. Und aktuell sind die Interessen der Radfahrenden nicht berücksichtigt im Straßenbild.

Interessen gleichmäßig berücksichtigen,
Verkehrswende schon im Gang

Nun kommt der Vorschlag des einseitigen Zweirichtungsradwegs: 1,50m in die eine Richtung und 1,50m in die andere ist eine super-Lösung. “Nein, ist überhaupt keine Super-Lösung“, wendet eine andere Bürgerin sofort ein. Wenn man da überholen will, dürfe von vorn nichts kommen. Radfahrer aber wollten auch überholen. Es seien inzwischen in Braunschweig viele Radfahrer unterwegs, glücklicherweise. Die Verkehrswende ist schon im Gange. Jetzt müssen die Straßen auch angepasst werden.

Frau Niemann stellt kurz darauf, nach ca. 1.5h die eine große Änderung der Pläne in der Museumsstraße vor. Hier soll stadtauswärts der Radverkehr hinter den Bäumen entlang geführt werden, so dass die Parkplätze vor den Häusern erhalten bleiben. Es gibt Applaus. Wenn diese Planung in der Politik beschlossen wird, wird sie umgesetzt, andernfalls fällt man zurück auf die vorherige Planung aus dem Jahr 2023.

Richtigen Unmut gibt es auf Radfahrerseite an der Einfädelung des Radweges stadteinwärts einfach im Nirgendwo unmotiviert und ohne Schutz auf der Straße endet. Unfälle sind hier schon fast automatisch einprogrammiert. Eine kurze Stellungnahme hört sich an wie eine Nachhilfestunde für Verkehrsplaner: “Für das Ende eines Radweges gibt es Regelwerke.” Er mahnt ein standardmäßiges Ende des Radwegs an und sagt, ein solches Ende sei sei gerade nicht so, dass man da “urplötzlich nach links lenken muss und in die fahrenden Autos hineingeschickt wird.” Applaus.

Plan der Stadtverwaltung 2025 für einen Radweg “nach links in die Autos”

Parkraummanagement

Nun stellt ein Herr Horn das Thema Parkraummanagement vor. Er beginnt mit einem klaren Aufschlag: Was ich Ihnen nicht versprechen kann, das ich Parkplätze schaffe. Auch gäbe es Klimaschutzbelange. Ein Baum mit einer nur 1.5m² großen Baumschweibe könne nie wachsen. Hier müsse neu gedacht werden. Auch übt er weniger subtil Kritik an den Kaufentscheidungen heutiger Konsumenten, die Parkplätze fordern, aber auch mit ihren Fahrzeugen für weniger Platz sorgen. Als die Autos noch klein waren, hätten zwei Autos auf eine Fläche gepasst, die heute nur noch für ein Auto genügt, weil die Menschen der Meinung seien, größere Autos sind bessere Autos.

Insgesamt ist die Information sachlich und nüchtern und kreist auch viel um das Thema Halten und Parken. Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung stellt im Anschluss den Fragen, allerdings gibt es fast keine mehr. Sie erklärt im Gespräch, sie würde selbst auch täglich mit dem Auto nach Braunschweig fahren, das aber in Volkmarode tauschen, gegen in die Stadtbahn. Eine gute Idee.

Der Ausblick ist ganz einfach: Dieses Jahr im Sommer geht es los.

Ein Gedanke zu „Bürgerinfo Helmstedter Straße: Der Wind hat sich gedreht. Letzte Änderungen“

  1. oh, was für eine Wurschtelei….
    “Obwohl längst klar ist, dass man künftig aus der Helmstedter Straße nicht mehr links in die Stadt wird fahren können, wird genau das immer wieder und wieder nachgefragt.”

    Wenn Sie mal den Plan oben betrachten, wird das auch in der Gegenrichtung nicht vorgesehen sein, denn da sind zwei Radspuren/Aufstelflächen gekennzeichnet. Das wird Ärger geben! Herzlichen Glückwunsch Initiative Dilettantenfahrradstadt BS!

    Und was soll das Rote am Ring sein, die Kreuzung wieder zu machen und die Radfahrer wie früher neben den Gehweg-Übergang auf den “alten Radweg”?
    Juchu, vor rund 12 Jahren prahlte Dr. Sven Wöhler vom AD”F”C Braunschweig im Pedaleo noch, als die alten Radwege dort demarkiert worden sind. Er und seine Freunde wie Dr. Schütte (war damals auch schon aktiv daran beteiligt) faselten auch bei jeder Gelegenheit immer was von “Radfahren auf der Fahrbahn ist sicher” und sprachen sich für die Schutztreifen Museumsstraße uvm. aus.

    Was heisst “höhengleicher Überweg”, den gibts da bereits heute, nur die Bordtseine und Randbereiche sind zum Teil nach zig Jahren ohne Sanierung nicht mehr in der Urspungslage und müssten saniert werden. Oder kommen ihre armen senilen, fetten Pedelecfahrer mit ihrem empfindlichen Hämorrhoiden-Popöchen nicht mehr die Minimalststeigung bei Vmax 25km/h deswegen hoch?
    Ich meine, ich fahre Rennrad mit schmalen Reifen und habe nur ein Problem, wenn der Bordstein schlecht abgesenkt ist, wie auch an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet.

    Tja, und zur Situation vorm Marienstift: Total-Versagen des glorreichen AD”F”C Braunschweig und des Braunschweiger Forums vor und bei der letzten Umbauphase. Dieser Vereine werden den Aufgaben nicht gerecht, planen am Bedarf vorbei und überaltern immer mehr bzw. sind quasi schon scheintot.

    Kritik Interessiert Sie nicht, gerne weiter ignorieren, Sie machen nur enen geringen Teil der meist unorganisierten Radfahrer aus, die Ihren dilettantischen Mist nun gleich mehrfach ausbaden müssen.

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