Planungsvorschlag für die Sidonienbrücke

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Beim heutigen Ortstermin haben sich Parteienvertreter*innen ein Bild machen können, wie stark die Sidonienbrücke von Fußgehenden und Radfahrenden benutzt wird. Die Stadtverwaltung bleibt bei ihrer Planung mit Mischverkehr. Bei den Parteien gibt es ein ambivalentes Bild. Es gab vereinzelt Kommentare wie „Konflikte nicht schlimm“, „Umlaufsperre auf die Brücke“ und „Kinder könnten über den Radweg laufen“. Demnächst soll es noch einen „Runden Tisch“ zum Neubau der Sidonienbrücke geben.

Kompromissvorschlag um Konflikte aufzulösen

Zusammen mit MoVeBS haben wir skizziert, wie die Bedingungen für Radfahrende und Fußgehende hier verbessert werden können. Zugleich können die Wallanlagen durch einen, an das historische Vorbild angelehnten, Umbau des Platzes Hohetorwall/Sonnenstraße gewürdigt und aufgewertet werden.

Durch die Trennung von Geh- und Radweg wird die Sidonienbrücke für Fußgehende, verweilende Flaneure und Radfahrende besser und konfliktärmer als die geplante Variante mit Mischverkehr. Eine Veloroute aus Richtung Westen kann alltagstauglich an den Promenadenring angebunden werden. Der durch die Sidonienbrücke kanalisierte Radverkehr verteilt sich von hier aus Richtung Innenstadt, die Kreuzung mit der Sonnenstraße sollte hierfür ausgebaut werden. Die schmale Eulenspiegeltwete zum Seniorenheim bleibt unverändert.

Auch fällt dieser Alternativvorschlag maßvoller aus als die von der Stadtverwaltung in den Raum gestellte und abgelehnte Maximalvariante mit 8,5m breiter Brücke. Eingriffe in die Grünfläche wären notwendig, jedoch unserer Meinung nach in vertretbarem Umfang. Fußgehende und Radfahrende werden sich in den denkmalgeschützten Wallanlagen lieber aufhalten, wenn es weniger Stress und Geklingel gibt.

Sidonienbrücke

Neubauvorschlag zur Sidonienbrücke: 2,1m Gehweg + 3m Radweg + 2,1m Gehweg = 7,2m nutzbare Breite, leichte Aufweitung in der Brückenmitte
Grafik: MoVeBS, Fahrradstadt Braunschweig

Die Sidonienbrücke wird mit getrennten Gehwegen beidseits und einem Zweirichtungs-Radweg in der Mitte gebaut. Der Radweg wird über niedrige, fehlerverzeihende Schrägborde von den Gehwegen baulich getrennt.

Auf der Westseite wird die Fahrbahn der Fahrradstraße zu einem Zweirichtungsradweg. Auf der Ostseite wird dieser als eigenes Element abseits des Gehwegs geführt. Die Trennung kann hier durch eine Bepflanzung erfolgen. Der Radweg wird leicht nach Süden verschwenkt um die Führung der Radroute über die Sonnenstraße zu betonen. Eine Weiterfahrt über die Tweten bleibt möglich, ist aber in ihrer Bedeutung reduziert. Dem Flächenkonflikt im weiteren Verlauf wird somit Rechnung getragen.

Durch die Trennung der beiden Verkehrsarten kann das Gefälle in geringerem Maß reduziert werden. Es können somit auch Lösungen gesucht werden, welche weniger stark in die
benachbarten Freiräume eingreifen. Weiterhin wird das Gehwegradeln auf dem südlichen Gehweg an der Oker klarer verboten und damit reduziert.

Kreuzung Hohetorwall/Sonnenstraße

Umbauvorschlag zur Kreuzung Wallring-Fahrradstraßen/Sonnenstraße mit Beschilderung
Grafik: MoVeBS, Fahrradstadt Braunschweig

Die einzelnen Radrouten werden miteinander verknüpft, indem eine Querung in Nord-Süd-Richtung durch eine Querungshilfe ermöglicht wird. Diese wird auf der Fläche der heutigen Linksabbiege-Fahrstreifen. Das Linksabbiegen von Kfz wird unterbunden, es bleiben dennoch alle Grundstücke erreichbar. So werden die Promenaden im Norden und Süden deutlich vom Schleichverkehr befreit und beruhigt.

Entlang der Sonnenstraße und am Hohen Tore werden perspektivisch in einem nächsten Schritt Radwege und Grün-, bzw. Funktionsstreifen angelegt.

Zusätzlich zum heutigen Fußgängerüberweg wird ein zweiter im Westen angelegt. Beide erhalten breite Aufstellflächen vor den Radwegen, bzw. Fahrbahnen. Die Gehwege verlaufen ununterbrochen über die Fahrbahnen der Promenade.

Umbauvorschlag zur Kreuzung Wallring-Fahrradstraßen/Sonnenstraße mit Grünplanung
Grafik: MoVeBS, Fahrradstadt Braunschweig

Die Gestaltung der Freiflächen orientiert sich am historischen Zustand von ca. 1930.

Das Rondell wird durch den erhaltenen, umlaufenden Gehweg gebildet. Dieser wird flankiert durch Hecken und Bänke. Die linsenförmigen Grünflächen können abweichend vom historischen Zustand
nicht als Rasenflächen, sondern als Blumenwiese (Braunschweiger Mischung) angelegt werden. Die Grünflächen schaffen so einen optischen, akustischen und olfaktischen Puffer zum Verkehr und machen den Raum zum Aufenthalt attraktiver. Das Baumrondell wird wo möglich durch neue Baumsetzungen vervollständigt.

Die Gehwege können in historisierendem Kleinpflaster ausgeführt werden. Die Radwege werden asphaltiert. Die Beschilderung soll auf ein Mindestmaß reduziert werden. Die Regelung des Verkehrs erfolgt so weit wie möglich durch Bordsteine.

Argumente & Gegenargumente

Beim Ortstermin wurden von der Stadtverwaltung und einigen Parteivertretern Argumente gegen eine andere Konzeption vorgebracht. In Summe überwiegen aber unserer Meinung nach die Argumente für eine klare Trennung zwischen Fuß- und Radverkehr.

  • Nutzungskonflikte seien nicht so schlimm
    • Das Fußgehende und Radfahrende sich gegenseitig bei der Nutzung der Brücke behindern ist offensichtlich. Radfahrende klingeln Senioren beiseite, Eltern warnen ihre Kinder, möglichst weit rechts zu gehen, zu Stoßzeiten ist es ein einziges Gewusel. Ein entspannter Aufenthalt auf den Wegen oder der Brücke imitten der Grünanlage wird durch die Mischung von verschiedenen Geschwindigkeiten eingeschränkt.
  • Bei einer Trennung würden Radfahrende über die Brücke rasen
    • Wenn Radfahrende dicht neben Fußgehenden fahren wird gerne mangelnde gegenseitige Rücksichtnahme (§1 StVO) unterstellt. So wie es jetzt ist, ist es aber nicht definiert, wie groß der Abstand sein sollte, und wie schnell gefahren werden darf. Durch eine Trennung mit abgeschrägten Bordsteinen erhalten Fußgehende und Radfahrende jeweils ihren eigenen Raum. Innerhalb diesem gibt es keine Konflikte mehr. Verweilen, entspanntes Flanieren und stressfreieres Radfahren wird überhaupt erst möglich. Potenzielle Konflikte werden auf die Querung des Radwegs beschränkt.
  • Denkmalschutz spricht gegen die Trennung
    • Die heutige Brücke und der Weg Richtung Twete/Innenstadt waren auch schon in den Originalplänen nicht enthalten und sind nachträgliche Ergänzungen. Ebenso ein Eingriff war die Einrichtung des Spielplatzes nördlich der Brücke und die Pflanzung einer Rasenfläche anstatt der ursprünlichen Reitanlage. Die Brücke selbst ist nicht denkmalgeschützt. Der zusätzliche Radweg zur Brücke braucht zwar 3m Platz mehr, dafür wird jedoch die Aufenhaltsqualität insb. für Fußgehende in den Wallanlagen gesteigert.
  • Wenn man die Routen Celler Str. und Madamenweg ausbaut fahren weniger Leute auf der Sidonienbrücke
    • Die Sidonienbrücke ist für einen Großteil des westlichen Ringgebietes die direkteste Verbindung Richtung Osten/Innenstadt und Nordosten. Daran ändern auch bessere Radwege an anderer Stelle (wo man heute sowieso schon fahren kann) nichts. Wer wechselt seine Route, wenn er/sie über die Sidonienbrücke schneller ist? Selbst wenn einige Menschen andere Routen wählen würden, ist zu bezweifeln, ob der Verkehr über die Sidonienbrücke abnimmt, denn der Radverkehr wächst ständig.
  • Wenn man eine Veloroute über den Mademenweg/Sonnenstraße ausweist, braucht man die Sidonienbrücke nicht auszubauen
    • Die Brücke hat eine eigenständige Netzbedeutung, da sie drei Fahrradstraßen direkt miteinander verbindet. Sie wird stark benutzt, laut letzter Zählung von bis zu 430 Fußgehenden und Radfahrenden pro Stunde. Entlang der Fahrradstraße, die über die Brücke führt, sind zwei große Bauvorhaben geplant: das Quartier Feldstraße mit 500 Wohneinheiten und das Quartier Holwedestraße.

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