Neubau der Sidonienbrücke wird zu schmal

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Die Sidonienbrücke über den westlichen Okerumflutgraben bildet die direkte Verbindung des Westlichen Ringgebietes zur Innenstadt und wird deswegen vom Rad- und Fußverkehr stark genutzt. Mit 115 Jahren auf dem Buckel ist sie nun baufällig geworden und soll durch einen Neubau ersetzt werden. Während die neue Brücke zwar die Aufenthaltsqualität verbessern könnte, ist jedoch nicht geplant, an der Situation mit vielen Konflikten zwischen zu Fuß gehenden und Radfahrenden grundlegend etwas zu ändern. Insbesondere, weil dies eine perfekte Lage für eine noch zu planende Veloroute wäre, sollte nun kein Flaschenhals gebaut werden.

Planung für Neubau wird im Bezirksrat vorgestellt

Die Stadt plant einen Neubau als graue Stahl-Beton-Verbundbrücke. Die neue Sidonienbrücke soll an den Enden 4m breit sein, und sich in der Mitte auf 6m aufweiten. Durch die Aufweitung in der Mitte sollen Fußgehende ungestörter an den Geländern verweilen können.

Um die Brücke besser anzuschließen wird sie ein wenig versetzt und erhöht, auch die Zuwege werden neu gebaut. Dadurch wird die Rampe zum Hohetorwall nicht mehr so steil wie heute.

Allerdings soll die Brücke an beiden Enden mit 4m schmaler werden als heute (4,60m). Hinzu kommt, dass dort trotz hohen Verkehrsaufkommens und täglich zu beobachtenden Nutzungskonflikten keine Trennung zwischen Fuß- und Radverkehr geplant ist.

Neue Sidonienbrücke und ihr Umfeld in den Planungen der Verwaltung
Die Sidonienbrücke wird neu gebaut. Die Verwaltung plant, Fußgehende und Radfahrende gemeinsam auf teilweise nur 4m Breite zu führen.
Quelle: Ratsinformationssystem, Tiefbauamt der Stadt Braunschweig

Nun wird die Planung in den Bezirksräten und dem Planungs- und Umweltausschuss beraten. Falls die Planung so beschlossen wird, ist der Baubeginn für Oktober 2020 geplant, die Fertigstellung für August 2021.

Sidonienbrücke ist Hotspot für den Radverkehr

In einer Studienarbeit der TU von 2015 wurde mal gezählt, wie viele Radfahrer bereits über diese Brücke fahren.

Im September und Oktober waren es bis zu 234 Radfahrende pro Stunde. Diese Daten sind jedoch nur eine Momentaufnahme über insgesamt drei Tage, insofern sind Irrtümer vorbehalten.

Lage der Sidonienbrücke im Radverkehrsnetz
Die Sidonienbrücke verbindet mehrere Fahrradstraßen und bildet die direkte Verbindung des Westlichen Ringgebietes mit der Innenstadt. Diese Trasse liegt perfekt für einen Ausbau als Veloroute/Radhauptverbindung.
Quelle: OpenStreetMap Mitwirkende

Ein gemeinsamer Geh- und Radweg scheidet hier aus

In den ERA (Empfehlungen für Radverkehrsanlagen), die nach einem Ratsbeschluss seit 2012 Planungsgrundlage sein sollen, ist genaueres zu Breiten und Einsatzbereichen von gemeinsamen Führungen festgelegt. Je nachdem wie stark der Fuß- und Radverkehr ist, muss die nutzbare Breites eines Weges mitwachsen. Jedoch ist bereits der vorhandene Verkehr auf dieser Strecke so stark, dass er außerhalb der Skala liegt. Genauer gesagt, endet das Diagramm bei 4,50m für ca. 180 Fußgehende und Radfahrende (kombiniert, nicht jeweils) pro Spitzenstunde. Das heißt, allein schon der Radverkehr sprengt die Skala. Dabei sind Fußgehende noch gar nicht mitgezählt.

Des Weiteren geben die ERA Ausschlusskriterien vor, bei denen Fuß- und Radverkehr getrennt werden müssen. Schließlich soll man ungestört flanieren und Radfahren können, ohne gegenseitige Behinderungen oder gar Unfälle. Zudem verdrängt starker Radverkehr Fußgänger oft an den Rand des Weges und verunsichert sie.

Folgende Ausschlusskriterien treffen hier zu:

  • Keine nur geringe Netz- und Aufenthaltsfunktion für Fuß- und Radverkehr (Durchgangsverkehr Ringgebiet-Innenstadt, Radfernweg, Flaneure, Schulweg)
  • starkes Gefälle von mehr als 3% (zukünftig immerhin noch 5% östlich zwischen Brücke und Hohetorwall)
  • Hauptverbindung des Radverkehrs (Radroute, Radfernweg, perfekter Korridor für eine auf hohen Standard auszubauende Veloroute)
  • Radfahr-Anteil vermutlich mehr als 33%

Gemäß ERA sollte an dieser Stelle kein gemeinsamer Geh- und Radweg eingerichtet werden.

Die Brücke sollte getrennte Geh- und Radwege erhalten

Nach Umsetzung dieser Planung wird es dort weiterhin zu Behinderungen, Konflikten und Verunsicherungen zwischen Fußgehenden und Radfahrenden kommen, zumal der Radverkehr dort durch das Gefälle vom Hohetorwall relativ schnell ist. Außerdem wird der Radverkehr noch zunehmen. Darüber hinaus würde diese Brücke die Möglichkeiten zum Ausbau einer Veloroute an dieser Stelle dauerhaft einschränken. Beziehungsweise, will man dort nachträglich eine Veloroute einplanen, müsste die neue Brücke verbreitert oder wieder abgerissen werden. Eine Trennung käme insbesondere dem Ruhe- und Sicherheitsbedürfnis von Fußgehenden zu Gute.

Alternativer, verbesserter Querschnitt für die Sidonienbrücke
Breiterer Querschnitt mit besseren Bedingungen für Fußgehende und Radfahrende
Erstellt mit Streetmix, CC BY-SA 4.0, https://streetmix.net

Eine zukunftssichere und konfliktlösende Aufteilung wäre ein 3m Breiter Radweg in der Mitte der Brücke und zu beiden Seiten 2m breite Gehwege. Um Rad- und Gehwege zu trennen, kann man mit verschiedenen Belägen, farblicher Erkennbarkeit oder einem kleinen Höhenunterschied mit abgeflachten Bordsteinen arbeiten. Die Gesamtbreite misst mit 7m dann 1-3m mehr als die zurzeit geplante ovale Brücke, die in der Mitte 6m breit wäre.

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