Stadt legt Konzept für neue Radwege entlang des Bienroder Weges vor

Entlang des Bienroder Weges als zentraler Ausfallstraße für die nordöstlichen Stadtgebiete inklusive des Nordcampus mühen sich Radfahrer*innen bislang über unzureichende und unzusammendhängende Radverkehrsführungen mit oft schlechtem Belag. Diesen Missstand hat auch die Stadt erkannt und hat mit einem externen Planungsbüro nun ein Konzept für bessere und möglichst durchgehende Gehwege und Radverkehrsanlagen vorgelegt.

Die ca. 3km lange Strecke wurde in 9 Abschnitte unterteilt, für die es zum Teil mehrere, unterschiedlich ambitionierte, Varianten gibt. Beginn der Betrachtung ist die Einmündung der Nordstraße in den Bültenweg, Ende ist am Bahnübergang am Beginn des Steinriedendamms. Das Konzept zeigt: Durchgehend 2m breite Radwege sind entlang der gesamten Strecke möglich (mit Ausnahme der östlichen Schunterbrücke, auf der der Platz nicht ausreicht).

Völlig unklar ist hingegen, ob ein Ausbau der Radverkehrsanlagen auch nur teilweise eine Chance auf Umsetzung hat, denn die Politik hat dafür keine Mittel in den Haushaltsplan eingestellt. Zudem gibt es noch keine Entscheidung über die Wahl der Varianten, unter denen einige sind, welche die Probleme nicht lösen.

Eine durchgehende Radverkehrsführung ist möglich

In den späten 60er Jahren war der Straßenzug per Bebauungsplan noch für einen vierspurigen Ausbau vorgesehen und es wurden sogar teilweise entsprechende Flächen freigehalten, die man bei genauem Hinsehen entdecken kann (bspw. vor dem Wohnkomplex nördlich der Einmündung „Am Bülten“). Nur die Brucknerstraße wurde dann tatsächlich ausgebaut und verschmälert sich beim Übergang in den Bültenweg unvermittelt – die dortigen Häuser auf der Ostseite wurden zwar einstmals überplant, blieben jedoch stehen.

Varianten für den Bienroder Weg, Abschnitt 2 an der Franz-Liszt-Straße
Quelle: Stadt Braunschweig, Vorlage 19-12245 (Ausschnitt)

Genau dieser Abschnitt (Abschnitt 2) stellt nun ein Nadelöhr dar. Die einzige Möglichkeit, hier Platz für Radverkehrsanlagen in beiden Richtungen zu schaffen ist, die Parkplätze auf der Westseite der Straße aufzuheben. Die zwei voll dargestellten Varianten wagen dies nicht und sehen vor, den Radverkehr entweder auf der Straße (wie bisher in Südrichtung) oder auf gemeinsamen Geh- und Radwegen zu führen – was innerorts nie eine gute Idee ist und bei den zu erwartenden Verkehrsstärken unverträglich sein dürfte. Drei weitere Varianten zeigen hingegen die Umsetzbarkeit von Radfahrstreifen, Radwegen oder geschützten Radfahrstreifen, die auf Kosten der Straßenparkplätze und Verschmälerung der überbreiten Straße eingerichtet werden könnten und die Lücke in der Radverkehrsführung schließen würden.

An anderen Stellen ließe die (teilweise nicht vorhandene) Bebauung durchaus auch Platz für breitere Radverkehrsanlagen in bpsw. 2,30m Breite zu, das Konzept sieht jedoch fast keine über das ERA-Regelmaß hinausgehenden Breiten vor. Einige Varianten beinhalten sogar gemeinsame Geh- und Radwege. Die Initiative Fahrradstadt hat einen höheren Standard als Ziel – ganz wichtig ist auch eine konfliktvermeidende bauliche Trennung zum Fußverkehr, bestenfalls mit abgeschrägten Bordsteinen. Gut wäre es, die altbackene Idee von Hochbordradwegen als Teil des Bürgersteigs zu überwinden und Radwege als eigene, abgetrennte Fahrbahnen zwischen Gehweg und Kfz-Fahrbahn zu denken. Das wäre auch eine Chance, die Rampen an jeder Kreuzung einzusparen.

Sogar Rückschritte enthalten die Planungen: So soll am Tostmannplatz der Radverkehr an Fußgängerquerungen durch neue Ampeln aufgehalten werden (analog neuer Kreuzung am Klinikum), anstatt wie heute Warteinseln für Fußgänger vorzusehen. Auch soll freies Rechtsabbiegen über eigene Radwege aus und in die Mergesstraße entfallen.

Ein interessantes und positives Detail ist allerdings, dass für Einmündungen explizit Rampensteine in Sinusform als Alternative zur Aufpflasterung vorgeschlagen werden, um höhengleiche, durchgehende Radwege zu ermöglichen.

1 Gedanke zu „Stadt legt Konzept für neue Radwege entlang des Bienroder Weges vor“

  1. den Autofahrern/Anwohnern die Parkplätze für eine gesicherte Radspur wegnehmen? Nein, dass wäre zu schön. Wird aber nicht passieren.
    eine richtig gute Alternativroute wäre das Ringgleis, leider nur wenn es nicht regnet und wenn man den Luftschifferweg sanieren würde, denn kaum ein Radfahrer fährt gerne durch diese Kraterlndschaft.

    Von der Brucknerstraße in die Nordstraße gibt es derzeit euch keine Ampel bzw. Furt für Radfahrer.

    Off topic:
    jetzt hat man das Fahrradstraßenschild im Kennelweg ein Stück Richtung Echobrücke verschoben, es ist damit auch aus Richtung Kennelbad Ringgleis sichtbar, löblich…. AAAABER, wo endet die Fahrradstraße, am Wendehammer, an der Echobrücke, kein Endschild zu sehen, keine Markierung mit Piktogrammen auf der Fahrbahn, wie bei anderen Fahrradstraßen.
    Irgendwie lustig, da hat man an der Einmündung an der Eisenbütteler Straße kurzzeitig noch ein zweites „Fahrradstraße“-Schild rechts auf den Gehweg geplanzt und nun doch wieder weggenommen, m.E. läuft hier eine faszinierende Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
    Wieso ist man hier nicht in der Lage die Schilder einfach an einem Tag vollständig, fehlerfrei, sichbtbar und sinnvoll aufzustellen? Ich frage mich noch, wie oft da noch nachgebessert wird und welche Überraschungen noch auf die Radfahrer dort warten?

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